Likör - vier Elemente müssen es sein
Gerne wird Wilhelm Busch zitiert, wenn es um den Likör geht. Die juxigen Zeilen aus der „Frommen Helen“ klingen vielen im Ohr, aber allein Likör-Liebhaber wissen den verborgenen Sinn darin zu enträtseln.
„Es ist ein Brauch von Alters her,
wer Sorgen hat, hat auch Likör…“
Dass der Likör Sorgen löst, spielt nämlich auf seine Entstehungsgeschichte in den Klöstern und Apotheken des späten Mittelalters an. Bevor er zum begehrten Genussmittel aufstieg, ist er schlichtweg Medizin. Mittels Alkohol lösen Mönche und Apotheker Wirkstoffe aus Würz- und Heilpflanzen und stellen so erste Kräuterauszüge zur Linderung und Heilung von Krankheiten her.
Diese bittere Medizin enthält noch keinen Zucker, aber genau das zeichnet einen Likör nach heutiger Definition aus. Denn jedes destillierte Getränk, das mehr als 100 Gramm Zucker enthält und mindestens 15% Vol. Alkohol aufweist, zählt zu den Likören. Dies sind jedoch nur Mindestangaben, denn es gibt deutlich süße Liköre wie den französischen „Créme“ mit mindestens 250 Gramm Zucker und auch besonders alkoholreiche Liköre mit über 50% Vol. Alkohol.
Da Zucker zunächst ein rares, kostbares Gut ist, können sich nur Adlige und reiche Bürger den Likör leisten. Als Katharina von Medici 1532 nach Frankreich reist, um dort König Heinrich II. zu heiraten, zählten zu ihrem Gefolge auch Meister in der Herstellung von Likören. Mit dem günstigeren Rohrzucker aus der Karibik wird der Likör erschwinglicher. Neue Methoden der Fermentation und Destillation leiten den Siegeszug des Likörs zu Beginn 18. Jahrhunderts ein, doch erst hundert Jahre später ist Likör im größeren Umfang herstellbar und als Markenprodukt in der Öffentlichkeit präsent.
Für einen Likör braucht es Alkohol, Zucker, Wasser und eben jene Zutaten, die Aroma und Geschmack beeinflussen. Doch diese Kräuter und Früchte, Wurzeln und geheim gehaltene Inhaltstoffe machen das Besondere der Rezeptur und damit das große Geheimnis eines jeden Likörs aus. Denn wie einst ihre Vorgänger in den Klöstern und Apotheken, bewahren die Likörhersteller die exakte Rezeptur lieber für sich.
So vielfältig die Welt der Liköre ist-von den Frucht- und Kräuterlikören bis hin zu den Emulsionslikören wie dem Eierlikör – so vielfältig sind die Arten, ihn zu genießen. Als Aperitif oder Digestif, oder als besondere Note in einem Cocktail.