Entsprechend groß ist allein die europäische Familie des Weinbrands und jedes einzelne Mitglied will richtig verstanden sein, sowie seine Besonderheiten der Herkunft und Herstellung berücksichtigt wissen. Denken wir nur an Cognac und den Armagnac. Vergessen wir nicht die stolze Tradition der spanischen Brandys oder die Verwandten aus Italien, Portugal und Griechenland, so gewinnen wir eine erste Vorstellung davon, wie viel bei den Spirituosen aus Wein der feine Unterschied bedeutet.
Zusätzliche Verwirrung stiftet der deutsche Sprachgebrauch, der unter Weinbrand auch Spirituosen aus Weindestillat zählt die weder nach EU-Verordnung ein Weinbrand sind noch sich „Deutscher Weinbrand“ nennen dürfen, da sie den vorgeschriebenen Mindestalkohol 36%Vol. (EU) oder 38% Vol. (Deutscher Weinbrand) nicht aufweisen.
Zu Beginn der Herstellung des Weinbrandes steht die Auswahl der Weine für das Destillat. Traditionell unterscheidet man beim Brennen den sogenannten Rauhbrand, sowie den sich anschließenden Feinbrand. Im Grundsatz handelt es sich hierbei um eine Veredelung des Brandes, da durch die zweite Destillation nicht gewollte Stoffe wie Fuselöle entzogen werden. Vom zweiten Brennvorgang verwendet der Brennmeister -wie auch bei der Herstellung anderer Spirituosen üblich- nur den Mittellauf, das qualitätsmäßige Herzstück der Destillation.
Der Weinbrand ist nun ein wasserklares Destillat von rund 70% Alkoholvolumen. Erst während der Reife in Eichenholzfässern nimmt er seine Färbung an. Der Austausch mit dem Holz, meist Limousin-Eiche, verfeinert sein Aroma und macht den Weinbrand milder. Nach der Lagerung, die oft wesentlich länger dauert als vorgeschrieben, „vermählt“ der Kellermeister unterschiedliche Destillate, um jenen einzigartigen Geschmack mit all seinen prägenden Noten zu komponieren, der für eine Weinbrand-Marke und das Renommee des Herstellers steht. Man muss kein Historiker sein, um zu verstehen, warum der Weinbrand auch noch weitere tausend Jahre seine Freunde und Genießer finden wird.