Ein Fünftel der rheinland-pfälzischen Region Rheinhessen, die auch die waldärmste Deutschlands ist, ist mit Rebstöcken bepflanzt. Über 6000 Winzer produzieren pro Jahr mehr als 2,5 Mio. Hektoliter Wein aus dem Ertrag von c. 120 Mio. Rebstöcken. Von den 136 Gemeinden Rheinhessens betreiben lediglich Budenheim, Eich, Hamm und Nieder-Wiesen keinen Weinbau auf der eigenen Gemarkung.
Rheinhessen ist zudem eines der traditionsreichsten Anbaugebiete in dem bereits seit 20 v.Chr. Wein angebaut wird. In Nierstein befindet sich die älteste urkundlich belegt Weinlage Deutschlands, der Niersteiner Glöck. Nach Errichtung des Bremer Ratskellers im Jahr 1405 wurden dort zunächst ausschließlich Weine aus Rheinhessen ausgeschenkt. Aus Rheinhessen kamen vor dem ersten Weltkrieg Weine, die bei internationalen Auktionen Spitzenpreise erzielten. Auf einer der ersten Auktionen nach dem Zweiten Weltkrieg, im Juli 1949 konnten in London (Beaver Hall) die ersten Erfolge mit deutschen Spitzengewächsen erzielt werden, darunter 1929er Liebfrauenmilch Auslese und 1934er Liebfrauenmilch Superior. Der Niersteiner Riesling zum Beispiel genoss einen legendären Ruf.
Mitte bis Ende des 20. Jahrhunderts gab es allerdings eine Phase, in der zu sehr auf Quantität geachtet wurde, was den Ruf des rheinhessischen Weines nachhaltig schädigte. In diesem Zusammenhang wurde die Liebfrauenmilch aus der gleichnamigen Großlage mehrfach genannt. Gegen Ende des 20. Jahrhunderts setzte jedoch ein Umdenken ein. Einer neuen Winzergeneration ist es zu verdanken, dass der rheinhessische Wein sich wieder eines guten Rufs erfreut. Rheinhessische Weingüter zählen zu den höchstdekorierten, und auch bekannte Weinkritiker und Weinführer heben die Qualität der Weine hervor. Meist handelt es sich um Riesling oder Silvaner, aber auch manche Rotweine werden hoch gelobt. Kompromisslos auf Qualität setzenden Winzern (u.a. durch Ertragsbegrenzung, kontrollierte Vergärung usw.) gelingt es zunehmend, die geologische Vielfalt der Region zu nutzen und absolute Spitzengewächse zu erzeugen.
Rheinhessen hat insgesamt 24 sog. Großlagen die sich in 434 Einzellagen aufteilen. Im Bereich Bingen (am Firmenstandort des Sekthauses Carl Graeger) befinden sich:
Sankt Rochuskapelle: Aspisheim, Gaulsheim, Büdesheim, Dietersheim, Sponsheim, Grolsheim, Gensingen, Horrweiler, Welgesheim, Biebelsheim, Pfaffen-Schwabeheim, Zotzenheim, Badeneheim, Dromersheim und Ockenheim.
Abtey: Gau-Algesheim, Appenheim, Nieder-Hilbersheim, Ober-Hilbersheim, Sprendlingen, Sankt Johann, Wolfsheim und Partenheim.
Rheingrafenstein: Pleitersheim, Volxheim, Hackenheim, Frei-Laubersheim, Tiefenthal, Fürfeld, Stein-Bockenheim, Wonsheim, Neu-Bamberg, Siefersheim, Wöllstein und Eckelsheim.
Adelberg: Nack, Nieder-Wiesen, Wendelsheim, Flonheim, Uffhofen, Erbes-Büdesheim, Bornheim, Lonsheim, Bermersheim vor der Höhe, Armsheim, Schimsheim, Ensheim, Wörrstadt, Rommersheim und Sulzheim.
Kurfürstenstück: Gumbsheim, Gau-Bickelheim, Wöllstein, Wallertheim, Gau-Weinheim und Vendersheim.
Kaiserpfalz: Jugenheim, Engelstadt,Bubenheim, Schwabenheim, Großwinternheim, Ingelheim, Wackernheim und Heidesheim.