3.323 Traubenanbauer beliefern die 564 Kellereien, 60 Genossenschaften und 21 produzierende Großhändler. Die Anbaufläche beträgt rund 100.000 ha. Schätzungen zufolge beschäftigt der Weinbau, einschließlich Tourismus, rund 275.000 Arbeitnehmer. Die Weinbaugebiete liegen im Süden des Landes, fast ausschließlich in der Provinz Westkap. Sie sind selten mehr als 50 Kilometer von der Küste entfernt. In den Küstenregionen des Westkaps profitiert der Weinbau von der kühlenden Wirkung des Benguelastroms.
Der Weinbau in Südafrika begann 1652 mit der Ankunft von Jan von Riebeeck bei Kapstadt. Seine Mission im Auftrag der Vereenigde Oostindische Compagnie (VOC) bestand im Errichten einer Proviantstation auf der Route von Europa nach Indien. Bei seiner Ankunft bemerkte er das mediterrane Klima und beschloss, Rebsorten aus Europa zu importieren. Er wusste, dass Wein auf langen Seereisen haltbarer ist, als Süßwasser in Fässern und ebenfalls positiv auf den Verlauf der Krankheit Skorbut wirkt. 1655 pflanzte er erste Weinreben, und am 2. Februar 1659 wurde in Südafrika der erste Wein gekeltert. Van Riebeeck forderte die Bauern in der Region um Kapstadt auf, Reben anzupflanzen. Aufgrund der Unerfahrenheit der dortigen Menschen misslang dies anfangs häufig.
Die Ankunft von 150 französischen Hugenotten zwischen 1680 und 1690 belebte den Weinbau erheblich. Heute existieren aus dieser Zeit noch die Weingüter Boschendal und Annandale Wines mit repräsentativen Häusern im kapholländischen Stil. 1679 wurde van Riebeeck durch Simon van der Stel ersetzt. Dieser war nicht nur Weinliebhaber, sondern hatte profunde Kenntnisse im Weinbau. Er legte auf seiner Farm das 750 ha große Weingut Constantina an und gründete die Siedlung Stellenbosch. Nach dem Tod von van der Stel im Jahr 1712 wurde sein Gut in drei Einheiten aufgeteilt: Groot Constantina, Klein Constantina und Bergvliet. Groot Constantina wurde in der Folgezeit im Jahr 1778 von der Familie Cloete erworben, die auf ihrem Gut ein Produkt von Weltruf erzeugten, den Constantina. Die dortigen Dessertweine wurden in Europas Aristokratie sehr geschätzt.
Das 18.Jahrhundert war noch eine Lernphase für süd-afrikanischen Weinbauer. Erste Exportversuche wurden in den etablierten europäischen Weinnationen nur ungern gesehen und sogleich Abgestraft; Europa stellte nicht genügend Weinfässer zum Import zur Verfügung, was zu einer Mangelsituation an Fässern führte. Manche Bauern verwendeten sogar Fässer, die vormals zur Lagerung von gepökeltem Fleisch gedient hatten. Andere Weinbauern nutzten jedoch diese Zeit, um ausreichende Erfahrungen mit verschiedenen Rebsorten und deren Eignung in unterschiedlichen Regionen zu machen.
Die erste Hälfte des 19.Jahrhunderts brachte dem Weinbau eine erste Blütezeit. Die britische Besetzung, sowie der zu dieser Zeit ausgetragene Konflikt zwischen dem Vereinigten Königreich und Frankreich, eröffneten dem südafrikanischen Wein neue Märkte. In diesen 50 Jahren verzehnfachte sich die Produktion auf rund 45.000 Hektoliter. Nachdem das Vereinigte Königreich und Frankreich den Konflikt beigelegt hatten und die Regierung unter William Ewart Gladstone die Vorzugszölle für das Empire aufgehoben hatte, brach der Markt 1861 zusammen. 1886 wurden zahlreiche Weingärten von der Reblaus befallen. Besonders stark waren Weinbaukulturen im Drakenstein Valley um Paarl betroffen, die als solche nicht mehr betrieben und häufig durch Obstbaukulturen ersetzt wurden. Insgesamt war dieser Wirtschaftszweig gegen Ende des 19. Jahrhunderts von rückläufigen Tendenzen gekennzeichnet. Eine Trendwende für den Weinbau ergab sich jedoch durch die Entdeckung der Diamantenlagerstätten im Norden der Kapkolonie und die Aufnahme des Goldbergbaus am Witwatersrand. Diese Entwicklung zog eine große Zahl vorwiegend europäischer Einwanderer in diese Bergbauregion, weshalb die Nachfrage nach binnenländischen Landwirtschaftsprodukten sprunghaft anstieg. Cecil Rhodes in seiner Eigenschaft als Unternehmer erwarb, mit Erlösen aus seinem Bergbauunternehmen, 29 Farmen in den Regionen um Tulbagh, Wellington und Franschhoek. Daraus ging die Gründung seiner Firma Rhodes Fruit Farms Ltd. hervor, mit der er Weingüter aufkaufte und sie in Obstplantagen verwandelte.
Die Ergebnisse der Landwirtschaft entwickelten sich nach 1900 insgesamt stetig positiv, nicht einmal der Zweiten Burenkrieg und der Erste Weltkrieg verursachten wesentliche Beeinträchtigungen. Die Phase der Unsicherheit für den Weinbau wurde 1918 von Charles Kohler durch die Gründung der Kooperatieve Wijbouwers Vereniging van Zuid-Afrika (abgekürzt KWV) beendet; die Marketingbemühungen wurden gebündelt, die Weinbauern erhielten ein gesichertes Einkommen und die Produktion wurde reglementiert. 1925 wurde die autochthone Rebsorte Pinotage entwickelt; der erste entsprechend etikettierte Wein wurde 1961 auf den Markt gebracht. In der Folgezeit machte die KWV die Herstellung von Brandy und aufgespriteten Weinen im Portwein-Stil zu ihrem Hauptanliegen.
Die Absatzmärkte waren sehr beschränkt, da Südafrika aufgrund seine Apartheitspolitik wirtschaftlich teilweise isoliert war. Dies änderte sich erst Mitte der 1980er Jahre, als die Einfuhrbeschränkungen für Rebenstecklingen gelockert wurden. Mit dieser Lockerung wurde der Weinbau in Südafrika neu definiert, da jetzt international bekannte Rebsorten wie Chardonnay oder Rotweinreben, nach Vorbild von Bordeaux-Weinen, angepflanzt werden konnten. In der Folge wurden die bestehenden Rebanlagen zu Teilen durch qualitativ hochwertige Sorten neu bestockt während sich die Rebfläche kaum änderte. 1997 wurde die KWV von ihrer Befugnis zur Reglementierung der Produktion entbunden; die Winzer konnten sich nun frei entfalten. Seit 1998 nimmt die Rebfläche im Mittel um rund 3.000 ha pro Jahr zu. 2011 betrug die Anbaufläche rund 102.000 ha. 2010 wurden 389 Millionen Liter Wein exportiert.
Der Weinbau in Südafrika war lange geprägt durch den Einsatz von Sklaven und die Ausbeutung der Landarbeiter. Seit 1944 verbreitete sich das prison labour system (deutsch etwa: System der Gefängnisarbeit). Die Farmer bezahlten den Bau von regional, nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten verteilten, Gefängnissen und konnten sich im Gegenzug unter den nichteuropäisch-Stämmigen Insassen, zur Gewinnung von billigen Arbeitskräften, frei bedienen. In den Regionen um Paarl und Stellenbosch errichteten Farmunternehmen ab 1955 mindestens fünf solcher Gefängnisse. Diese Praxis wurde vom Ministerium für Haftanstalten unterstützt. Bis in die Gegenwart werden die niedrigen Löhne und schlechten Lebensbedingungen der meist schwarz Angestellten kritisiert.
Die Weinbaugebiete Südafrikas liegen zwischen dem 31. und 34. südlichen Breitengrad, in der Nähe des südlichen Wendekreises. Eigentlich ist diese geographische Zone für den Weinbau zu warm. In südwestlicher Küstennähe wird jedoch der Einfluss einer kühlen Meeresströmung, dem Benquelastrom, der von der Antarktis kommt, deutlich spürbar. Durch seine Wirkung entsteht in den Weinbaugebieten, die sich überwiegend in der Provinz Westkap befinden, ein gemäßigtes maritimes Klima, das hervorragend für den Anbau von Qualitätsweinen geeignet ist. Der Zeitpunkt der Weinlese liegt zwischen Februar und April. Südafrika hat ein auf Appellationen aufgebautes Qualitätsweinsystem, das Wine of Origin (WO)-System, das 1973 eingeführt wurde. Bei diesem System geht man davon aus, dass die Qualität des Weins sowohl durch den Standort des Weinbergs als auch durch den Winzer (Wahl der Rebsorte, Weinbautechnik, Arbeit im Weinberg) bestimmt wird. Das Regelwerk des Wine of Origin greift daher in diese Parameter ein und das Siegel oben auf der Flasche garantiert die Angaben zu Herkunft, Rebsorte(n) und Jahrgang. Die Überwachung des Regelwerks, sowie die Zertifizierung der Weine, obliegt dem Wine and Spirit Board.
Ein anderer Qualitätsausdruck aus Südafrika ist Estate Wine. Diese Bezeichnung garantiert, dass der Wein auf einem registrierten Weingut angebaut und hergestellt wurde, was im Allgemeinen ein Zeichen von Qualität ist. Nur vom Wine and Spirit Board zertifizierte Weine dürfen eine Jahrgangsangabe auf dem Etikett machen. Bei Angabe des Jahrgangs muss mindestens 85 % des in der Flasche enthaltenen Weines aus dem besagten Jahr stammen.